Hilfe, ich kann nicht mehr! Wie Sie negativen Stress zuverlässig vermeiden


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Praxisbeispiel: Juliane ist als Chefsekretärin in einem großen Unternehmen tätig. Wie ihre Kolleginnen hat sie viel zu tun, aber sie ist dennoch stets gut gelaunt und bester Dinge.

Eines Tages platzt es aus ihrer Kollegin Sylvia heraus: „Wie kannst du bei diesem Dauerstress nur so vergnügt bleiben? Wir anderen drehen schier durch – und du lächelst nur, wenn unsere Chefin, Frau Müller, noch mehr neue Arbeit auf deinem Schreibtisch ablädt! Was ist dein Geheimnis – verrätst du es uns, bitte schön?“

Stress wird individuell empfunden

Zunächst ist Juliane etwas überrascht. Sie merkt natürlich, dass sie viel zu tun hat, aber ihr war entgangen, dass die Kolleginnen die Arbeitsbelastung so negativ empfinden.

Genau das macht eine objektive Bewertung von Stress so schwierig: Jeder Mensch hat eine andere Belastungsgrenze. Was etwa für Juliane überhaupt kein Problem darstellt, kann eine andere Kollegin bereits als massiven Stress empfinden.

Eine Woche später geht Juliane mit ihren Kolleginnen Sylvia und Marlene nach Feierabend gemütlich essen. Sie hat inzwischen darüber nachgedacht, wie sie ihren fordernden Büroalltag meistert. Die folgenden Ratschläge gibt sie ihren Kolleginnen.

4 Tipps, um negativen Stress zu vermeiden

1. Aufgaben nicht persönlich nehmen

„Egal, welche Aufgaben Frau Müller mir auf den Schreibtisch packt – ich nehme es nicht persönlich. Als ihre Assistentin ist es mein Job, sie so gut wie möglich zu unterstützen, also arbeite ich ihre Arbeitsaufträge so schnell wie möglich ab. Dabei hilft mir, dass ich gerne neue Herausforderungen annehme, das weckt ein bisschen meinen sportlichen Ehrgeiz.“

Dank dieser Einstellung hinterfragt Juliane nicht jede Aufgabe und kann so ihre Energie in die Erledigung stecken. Langfristig erspart sie sich damit sehr viel Frust.

2. Sich selbst loben

„Auch wenn ich den ganzen Tag nur Routinekram abarbeite, klopfe ich mir immer wieder innerlich auf die Schulter und lobe mich. Schließlich leiste ich gute Arbeit, und das sage ich mir regelmäßig selbst!“

Das ist eine clevere Strategie, um die eigene Motivation beizubehalten. Juliane ist berufserfahren und weiß genau, was sie in ihrem Job leistet. Vermutlich wird Julianes Chefin sie nicht jedes Mal loben, wenn eine Routineaufgabe korrekt und termingetreu erledigt worden ist, und wahrscheinlich fände Juliane das auch eher merkwürdig. Ihr stummes Eigenlob macht sie zufrieden und stärkt wirkungsvoll ihr Selbstbewusstsein. Dadurch wird Juliane auch einen arbeitsintensiven Tag zwar als anstrengend, nicht aber als negativ stressig empfinden. 

3. Ein „Zuviel“ sofort ansprechen

„Wenn Frau Müller mir ein unmögliches Arbeitspensum überträgt, sehe ich mir die einzelnen Aufgaben kurz an und liste sie auf. Ich schreibe daneben, wie lange ich dafür ungefähr brauchen werde (mit einem Puffer für die Dinge, die unvorhersehbar auftauchen werden). Und dann gehe ich zu ihr und bespreche mit ihr unter vier Augen, was wirklich sofort erledigt werden muss, was warten kann und was vielleicht auch jemand anderes erledigen könnte. Sie rollt dann zwar immer mit den Augen, aber mittlerweile weiß sie, dass sie Entscheidungen treffen muss, wenn ich mit so einer Liste zu ihr komme.“

Juliane gibt mit ihrer Liste dem Stress, der durch „zu viel zu tun“ entstehen kann, keine Chance. Wichtig hierbei sind zwei Faktoren: Zum einen stellt Juliane zusammen, was tatsächlich gerade zu erledigen ist, und sie ergänzt die Aufzählung mit einem aus jahrelanger Berufserfahrung realistisch dokumentierten Zeitaufwand. Zum anderen spricht sie diese Zusammenstellung unter vier Augen mit ihrer Chefin durch. Dieser Aspekt ist weitaus wichtiger.

Die Chefin weiß, dass sie eine Priorisierung vornehmen muss, und aus der Vergangenheit weiß sie auch, dass Juliane nur dann auf sie zukommt, wenn sie wirklich zu viele Aufgaben auf dem Schreibtisch hat.

4. Nach der Arbeit ist Feierabend

„Ich achte darauf, dass ich abends das Büro in der Firma lasse. Auch wenn’s mal wieder länger gedauert hat: Mein Feierabend ist mir heilig. Egal, ob ich dann noch eine Runde laufen gehe oder einfach nur zu Hause bin, ich schiebe Gedanken an die Arbeit sofort weg, wenn sie auftauchen. Klar gelingt mir das auch nicht immer – aber meistens klappt’s!“

Damit gehört Juliane zu den Menschen, die ihr Gedankenkarussell gut im Griff haben. Für sehr viele Arbeitnehmer ist das eine der größten Herausforderungen.

Wenn Sie auch dazugehören, versuchen Sie Folgendes: Wenn ein Gedanke an Ihren Job auftaucht, dann ärgern Sie sich nicht. Denken Sie nur: „Du bist jetzt nicht dran.“ Je weniger Sie sich darüber ärgern und je souveräner Sie den Gedanken freundlich, aber bestimmt auf den nächsten Morgen verschieben, desto schneller sind Sie ihn wieder los und umso weniger stresst er Sie. 

Fazit: Geben Sie negativem Stress keine Chance

Juliane verrät ihren Kolleginnen ihren persönlichen Mix an Methoden, um negativen Stress erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Grundsätzlich ist Stress nicht schädlich – das wird er erst, wenn er uns belastet. Handeln Sie diesen vier Tipps entsprechend, geben Sie den negativen Stressauswirkungen keine Chance, sondern können Ihren Alltag motiviert bestreiten. 

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Frauke Schramm