Kündigung: Wann Ihr Chef einem Mitarbeiter fristlos kündigen kann


Für Ihre tägliche Sekretariatsarbeit sind Kenntnisse im Arbeitsrecht sicherlich hilfreich. So kann es passieren, dass ein Mitarbeiter sich nicht richtig verhalten hat und Ihr Chef ihm daraufhin die Kündigung aussprechen möchte. Wann eine Kündigung gerechtfertigt ist, erfahren Sie in diesem Tipp.

Das Sekretärinnen-Handbuch hat für Sie neun Fälle zusammengestellt, die eine fristlose verhaltensbedingte Kündigung zur Folge haben können.

Kündigungsgrund 1: Ein Mitarbeiter missachtet das Alkoholverbot

Ein angestellter Fahrer hat den Auftrag, wichtige Geschäftspartner vom Flughafen abzuholen. Auf dem Rückweg wird er schuldlos in einen Unfall verwickelt. Bei der anschließenden Untersuchung wird dem Fahrer ein Blutalkoholwert von 0,46 Promille nachgewiesen.

Der Transport von Personen unter Alkoholeinfluss stellt eine massive
Vertragsverletzung dar (BAG, 2 AZR 649/94, 26. 1. 1995), die eine fristlose verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigt.

Kündigungsgrund 2: Ein Mitarbeiter verweigert die Arbeit

Ein Mitarbeiter widersetzt sich nachhaltig den Anweisungen des Chefs, die Aufgaben, die in seinem Arbeitsvertrag festgelegt wurden, auszuführen (LAG Schleswig-Holstein, 4 SA 389/99, 20. 1.2000).

Kündigungsgrund 3: Ein Mitarbeiter bedroht Sie

Ein Mitarbeiter bedroht Sie, Ihren Chef oder Kollegen verbal mit "Ich bringe dich um" oder "Ich mache dich fertig", oder er wird handgreiflich (LAG Hamm, 10 Sa 1392/04, 7. 1. 2005).

Kündigungsgrund 4: Ein Mitarbeiter macht eigenmächtig Urlaub

Ein Mitarbeiter fragt bei Ihnen nach, ob er seinen Urlaub um eine Woche verlängern darf. Ihr Chef lehnt ab. Daraufhin verlängert er seinen Urlaub ohne Erlaubnis um eine Woche (LAG Köln, 11 Sa 1479/00, 16. 3. 2001).

Kündigungsgrund 5: Ein Mitarbeiter äußert sich geschäftsschädigend

Sie hören, wie ein Mitarbeiter Ihren Chef gegenüber einem wichtigen
Geschäftspartner grundlos unsauberer Machenschaften beschuldigt. Ihr Chef darf dem Mitarbeiter fristlos kündigen, weil dieser ihn unbegründet verdächtigt, rechtswidrige Handlungen zu begehen (AG Frankfurt/Main, 7
Ca 690/01, 8. 8. 2001).

Kündigungsgrund 6: Ein Mitarbeiter verhält sich unloyal

Ein Mitarbeiter arbeitet gezielt gegen die Geschäftspolitik, zum Beispiel indem er Kunden von bestimmten Produkten abrät und dadurch das Unternehmen erheblich schädigt. Er lügt und streitet dieses Verhalten ab. (LAG Köln, 11 SA 1339/00, 2. 8. 2001).

Kündigungsgrund 7: Ein Mitarbeiter verletzt seine Sorgfaltspflicht

Ein Mitarbeiter missachtet ausdrücklich vom Unternehmen vorgegebene
Produktrichtlinien zum Schutz der Kunden und gefährdet damit die Kunden (LAG Frankfurt/ Main, 15 Sa 204/03, 16. 9.2003).

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Kündigungsgrund 8: Ein Mitarbeiter belästigt Sie oder Kollegen sexuell

"Du bist nur frustriert, weil dir ein Typ fehlt, der dich richtig ..." Das heißt: Nicht nur körperliche, sondern auch verbale sexuelle Belästigungen rechtfertigen die fristlose Kündigung (ArbG Lübeck, 1 Ca 2479/00, 2. 11. 2000).

Kündigungsgrund 9: Ein Mitarbeiter missachtet das Wettbewerbsverbot

Ein angestellter Außendienstmitarbeiter verkauft privat Produkte der Konkurrenz an Kunden des Unternehmens, bei dem er angestellt ist (LAG Schleswig-Holstein, 5 Sa 299 b/02, 3. 12. 2002).